Brennessel e.V.
Berufsgruppe gegen sexuelle Gewalt an Kindern
 

Fortbildung

Konzeption zur Fortbildung

Für interne und externe Fachkräfte

Die Berufsgruppe Brennessel e. V. verfolgt das Ziel, den relevanten Zielgruppen, insbesondere sozialen und pädagogischen Fachkräften, aber auch Angehörigen aus medizinischen Tätigkeitsfeldern sowie Polizei und Justiz, Fortbildungen anzubieten. Die Fortbildungskapazitäten sind jedoch aufgrund der personell und finanziell schwierigen Situation begrenzt.

Sexueller Missbrauch ist aus pädagogischer, sozialpädagogischer, psychologischer, medizinischer und juristischer Sicht beschreibbar. Ziel unserer Fortbildungen ist, die wesentlichen fachlichen Aspekte für die jeweiligen Zielgruppen zusammenzustellen und darzulegen und damit zu einer Erhöhung der Fachkompetenz der mit dem sexuellen Missbrauch befassten Berufsgruppen beizutragen. Die Versachlichung des Themas ist stets ein Effekt unserer Fortbildungen.

Aus unserer Sicht sollte in jeder Einrichtung der Jugendhilfe ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin zum Thema sexueller Missbrauch qualifiziert sein. Somit kann das Fachwissen in die Teamarbeit eingebracht werden.

In Celle sind – wie in allen ländlich strukturierten Gebieten, in denen Regeldienste wie Erziehungsberatungsstellen, aber keine Spezialdienste wie Kinderschutzhäuser vorhanden sind – die Jugendämter die zentrale Anlaufstelle für Kinder mit sexuellen Gewalterfahrungen.

In einer Studie von HARBECK et. al. schätzten lediglich 39 Prozent der SozialarbeiterInnen des befragten Allgemeinen Sozialen Dienstes ihre Kenntnisse über sexuelle Gewalt an Kindern als gut ein, 47 Prozent gingen von einem mittleren und 14 Prozent von einem schlechten eigenen Kenntnisstand aus. Dies bedeutet, dass 60 % der ASD – MitarbeiterInnen ihre Kenntnisse zur Missbrauchsthematik erweitern und verbessern sollten.

Ausgehend von der Hypothese, dass diese Ergebnisse auf Celle übertragbar sind, fand für alle MitarbeiterInnen des Allgemeinen Sozialdienstes der Stadt Celle eine mehrtägige Fortbildungsreihe durch zwei Fachfrauen der Berufsgruppe statt. Die Fortbildung umfasste die Schwerpunkte Prävention, Aufdeckung, Intervention nach sexuellem Missbrauch, Vernetzung, einschließlich Berufsgruppenarbeit, sowie rechtliche und therapeutische Aspekte des Themas.

Weitere langfristige Fortbildungsreihen konnten bisher nur in Einzelfällen für Lehrer und Lehrerinnen sowie Erzieherinnen stattfinden. Konzeptionell favorisierten wir mehrtägige Fortbildungen, da in kürzeren Veranstaltungen und Vorträgen kaum Handlungskompetenz erworben wird. Auch Fachleute benötigen Zeit, um ihre Scheu vor diesem Thema zu verlieren und sich inhaltlich und emotional einlassen zu können. Interventionskompetenz kann nicht allein durch Informationsaufnahme gewonnen werden, sondern setzt einen persönlichen Lernprozess mit

Selbsterfahrung voraus. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität, die Reflexion über Geschlechts- und Generationsunterschiede, der Umgang mit Macht und Ohnmacht, Abhängigkeit und Autonomie, Bedrohung und Gegenwehr sind Elemente der Selbsterfahrung. Für das Gelingen eines Gespräches mit einem Mädchen oder Jungen über sexuellen Missbrauch gilt: Das Kind muss den Erwachsenen als glaubwürdig und vertrauensvoll erleben. Theoretische Kenntnisse der Fachkraft allein helfen hier nur wenig weiter.

Zwischenzeitlich haben wir unser Fortbildungskonzept erweitert und vermitteln auch Kenntnisse über altersgerechte Sexualität von Kindern und Jugendlichen und Unterschiede in der Rollensozialisation von Mädchen und Jungen.

Exemplarisch wird hier eine Fortbildungsreihe für ErzieherInnen der Kindergärten dargestellt:


  • Sexualität von Kindern
  • Rollensozialisation
  • Sexueller Missbrauch von Kindern
  • Aufdeckung und Krise
  • Intervention
  • Prävention.

Methoden der Fortbildungen:


  • Fachvorträge unterstützt durch Visualisierung
  • Kleingruppenarbeit
  • Austausch im Plenum
  • Stillarbeit
  • Rollenspiele, Schaubilder stellen
  • Körperübungen
  • Fallbeispiele
  • Partnerinterview
  • Metaplantechniken wie z.B. Kartenabfragen und Visualisierung
  • Fantasiereisen
  • Blitzlichter
  • Einsatz von altersgerechten Spielmaterialien und Büchern
  • ....

Wesentliche Ziele der Fortbildungen liegen in der Ermutigung der Erwachsenen, mit Kindern über die schwierigen Themen wie Gefühle, Sexualität und Gewalt zu sprechen. Dabei ist der Umgang mit den eigenen Gefühlen, die zu diesem Tabuthema gehören, sowie die Bereitschaft zur Selbsterfahrung eine Voraussetzung zur Teilnahme an den Fortbildungseinheiten.

Grundsätzlich machen wir alle FortbildungsteilnehmerInnen auf die Notwendigkeit von Fallsupervision, Fachberatung und Vernetzung aufmerksam. – Wir selbst stellen uns auch immer wieder insbesondere für den Bereich der Fachberatung zur Verfügung.

Über die Informations- und Fortbildungsprogramme wird nicht nur die Arbeit der Berufsgruppe Brennessel in der Öffentlichkeit dargestellt, sondern auch die Aufgabenfelder insbesondere der Jugendämter und Beratungsstellen. Durch diese öffentliche Präsens haben wir zum Teil erreicht, dass der Zugang, die Schwelle zur Behörde niedriger wird.




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