Brennessel e.V.
Berufsgruppe gegen sexuelle Gewalt an Kindern
 

Qualifizierte Einzelarbeit

Konzeption zur Qualifizierung der Mitglieder

Zieldefinition:

In der Fachöffentlichkeit besteht eine große Unsicherheit über den fachlich qualifizierten Umgang mit Mädchen und Jungen, die von sexueller Gewalt betroffen sind. Die Berufsgruppe Brennessel e.V. sieht es als ihre Aufgabe an, die Weiterentwicklung eines professionellen, qualifizierten Kinderschutzes zu fördern und aktiv voranzutreiben. Unser Ziel ist es, Qualifikationskriterien für die Beratungsarbeit mit betroffenen Kindern und Familien für Fachkräfte in der Jugendhilfe weiterzuentwickeln und umzusetzen.

Nicht zuletzt werden Fremdunterbringungen von Kindern unter dem Kostendruck einer immer stärkeren Überprüfung unterzogen und das Schlagwort der "Ambulantisierung der Hilfen" greift überall in der Jugendhilfe um sich. Gerade in diesen Zeiten – so die These der Berufsgruppe – ist eine Diskussion über Elternrechte und familiäre Autonomie einerseits und staatliche Wächterfunktion zur Sicherung des Kinderschutzes andererseits, dringend geboten. Fachleute benötigen professionelle Normen, damit sie fundiert und angemessen entscheiden, wann Beratung und Unterstützung der Eltern und wann Interventionsstrategien für einen aktiven Kinderschutz indiziert sind. Nur so können sie ihrer besonderen Verantwortung bei innerfamiliärer Gewalt gerecht werden.

Qualifizierte Einzelfallhilfe setzt voraus, dass die Kinderschutzarbeit in Politik und Verwaltung Wertschätzung und Anerkennung genießt. Fachkräfte, die sich für missbrauchte Mädchen und Jungen einsetzen, erwerben für ihre Fachkompetenz und ihr Engagement kaum berufliches Prestige und sind darüber hinaus häufig Abwertungen von außen ausgesetzt. Die Randständigkeit des Themas zeigt sich nicht zuletzt darin, dass die Kinderschutzarbeit häufig Laien (organisierten) überlassen wird. In scharfem Kontrast dazu steht die Tendenz der Öffentlichkeit, gerade in diesem Bereich der Jugendhilfe sehr große Ansprüche an die Fachlichkeit des Helfers/ der Helferin zu stellen.

Im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) werden Gedanken des Kinderschutzes an zentraler Stelle aufgeführt. So wird in § 1 KJHG, der die Funktion einer Generalklausel hat, der Schutz des Kindeswohles ausdrücklich als primäre Aufgabe der Jugendhilfe genannt. "Kinder und Jugendliche (sind) vor Gefahren für ihr Wohl (zu) schützen."

Der Handlungsdruck, einen professionellen und qualifizierten Kinderschutz umzusetzen, ist somit unstrittig.

Allgemeine Problembeschreibung:

Sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen ist eine sexuelle Handlung eines Erwachsenen oder Jugendlichen an einem Kind, wobei der Täter das Kind zur Befriedigung seiner Bedürfnisse ausnutzt. Um seine eigenen Interessen durchzusetzen, macht sich der Täter seine Autorität und die Abhängigkeit, Unwissenheit und das Vertrauen des Kindes zu nutze. Erwachsene (oder Jugendliche), die ein Kind zu sexuellen Aktivitäten überredet oder gezwungen haben, tragen daher grundsätzlich die Verantwortung für die sexuellen Übergriffe.

Sexuelle Gewalt tritt in vielfältigen Formen auf und reicht von missbrauchendem Verhalten ohne Körperkontakt (z.B. gemeinsames Anschauen von Pornografie) über Manipulationen an den Genitalien des Kindes und Forderungen an das Kind, den Erwachsenen zu befriedigen bis hin zu analen, oralen oder vaginalen Vergewaltigungen.

Sexueller Missbrauch von Mädchen und Jungen tritt vorrangig in der Familie oder im sozialen Nahbereich auf. – Fachkräfte der Jugendhilfe sind in ihrer Arbeit in besonderem Maße bei Fällen von innerfamiliären Missbrauch gefordert (s.u.).

Innerfamiliärer sexueller Missbrauch ist durch folgende Faktoren gekennzeichnet:
  • der Missbrauch wird vom Täter geplant und findet wiederkehrend, häufig in ritualisierter Form statt
  • der Missbrauch wird begleitet von einer mit Drohungen verbundenen Geheimhaltung
  • der Missbrauch setzt die Regeln und Gesetze, die in einer Familie gelten, außer Kraft und schafft einen Raum, in dem das Kind ungeschützt ist
  • im Missbrauchsgeschehen verweben sich persönliche Anteile wie Sexualität, Macht, Liebe, Gewalt und Loyalität und führen zu gravierenden Veränderungen aller Beziehungen innerhalb der Familie.

Theoretisches Selbstverständnis:

Unserem Selbstverständnis nach erfordern die spezifischen Macht- und ggf. Gewaltverhältnisse in Missbrauchsfamilien eine klare Stellungnahme und Parteinahme für den Schutz des Kindes. Gleichzeitig erkennen wir an, dass innerfamiliärer Missbrauch in Zusammenhängen steht, die sehr vielschichtig und komplex sind. Eine einfache Täter – Opfer – Theorie wird dem Thema nicht gerecht.

Wir stellen den innerfamiliären Missbrauch in drei theoretische Zusammenhänge:
  • in eine Gesellschaftstheorie, die das herrschende Geschlechterverhältnis untersucht und den Zusammenhang von Männlichkeit, Herrschaft und Gewalt erklärt
  • in eine familiendynamische Erklärungstheorie, die alle Formen familiärer Gewalt als tiefgreifende Beziehungsstörung zwischen den Familienmitgliedern auffasst und somit das Vorkommen von sexuellem Missbrauch trotz des Inzestverbotes erklärt
  • in eine individuums – zentrierten psychologischen Theorie, die die spezifische Psychodynamik beim Täter erfasst und ihr Augenmerk auf die individuellen Defekte des Missbrauchers richtet.

Qualifizierte Fallarbeit:

Im folgenden beschreiben wir zentrale Bestandteile der qualifizierten Einzelfallhilfe mit sexuell missbrauchten Mädchen und Jungen und ihren Familien.

Sexuell missbrauche Mädchen und Jungen unterliegen einem Geheimhaltungsdruck. Fachleute sind darauf angewiesen, Signale beim Kind wahrzunehmen, die auf sexuellen Missbrauch hinweisen. Die unterschiedlichen sozialen Auffälligkeiten sowie psychischen und psychosomatischen Symptomatiken bei Kindern können im Zusammenhang mit einem Missbrauch stehen, müssen es aber nicht. Da es kein missbrauchs-spezifisches Symptom gibt, ist eine gewissenhafte Abklärung der vorhandenen Auffälligkeiten notwendig. Sexueller Missbrauch lässt sich beim Vorliegen körperlicher Symptome eher beweisen, gleichwohl müssen die Fachleute damit umgehen, dass eindeutige körperliche Spuren nur in Ausnahmefällen zu finden sind.

Im Verdachtsstadium ist es ein Hauptproblem der Helfer, Zugang zu relevanten Informationen zu finden. Die Täter leugnen in der Regel den Missbrauch, die Kinder zeigen häufig lediglich unspezifische Signale. Die Intensivierung der Beziehung zum Kind und der Aufbau von tiefem Vertrauen ist ein zentrales Ziel in dieser Phase.

Die Einbeziehung des nichtmissbrauchenden Elternteils (zumeist der Mutter) in einen Beratungsprozess, in dem offen der Verdacht auf sexuelle Gewalt benannt wird, ist nur dann erfolgversprechend, wenn
  • zwischen dem nicht missbrauchenden Elternteil und dem Kind eine positive Beziehung besteht und das Kind zu ihr/ihm eine sichere und tragfähige Bindung entwickelt hat
  • dieser Erwachsene über ein partielles Problembewusstsein zum sexuellen Missbrauch verfügt
  • die Beziehung zwischen diesem Elternteil und der Beraterin tragfähig ist.

Aufdeckungsarbeit:

Aufdeckungsarbeit ist ein kürzerer oder längerer zeitlicher Prozess mit dem Ziel, gesicherte Erkenntnis über den sexuellen Missbrauch zu sammeln; vage Andeutungen und Informationen vom Kind sollen durch Fakten ersetzt werden. Aufdeckungsarbeit verlangt von den Fachleuten unterschiedliche Fähigkeiten: eine klare, nüchterne und frageorientierte Gesprächstechnik gegenüber dem Kind und eine Beziehung zum Kind, die von Achtsamkeit, Sensibilität und Empathie getragen wird.

Das Ende des Aufdeckungsprozesses ist erreicht, wenn kommunizierbare Fakten vom Kind benannt wurden oder aber körperliche Schäden medizinisch nachweisbar sind. – Bei Kleinkindern oder bei intellektuell oder sprachlich zurückgebliebenen Kindern ist der sexuelle Missbrauch nur in Extremfällen objektiv zu identifizieren. In der praktischen Arbeit ist es daher notwendig, mit dem Ergebnis "erhärteter Verdacht" verantwortlich umzugehen und Schutzmaßnahmen für das Kind einzuleiten

Die Glaubwürdigkeit von Kindern

Die Glaubwürdigkeit von kindlichen Berichten über sexuellen Missbrauch ist hoch, dennoch bedürfen alle Aussagen einer Konkretisierung hinsichtlich Tat und Täter/in. Unwahre Schilderungen sind selten, kommen aber z.B. durch Suggestion eines Elternteils im Zusammenhang mit der Scheidung und Regelung der elterlichen Sorge vor.

Verzerrte und unklare Berichte von Kindern über den sexuellen Missbrauch können Folge der Traumatisierung sein. Häufiger verschweigen Kinder aufgrund der Loyalität zum Täter einen tatsächlichen Missbrauch.

Die Aussagen von Kindern zum sexuellen Missbrauch sind häufig nicht strukturiert und von Unsicherheit und Angst geprägt. Jüngere Kinder können nicht wissen, ob sie das Schicksal des Missbrauchs mit anderen Kindern teilen. Älteren Mädchen und Jungen fällt es – ebenso wie vielen Erwachsenen – schwer über diesen, für sie peinlichen Sachverhalt zu sprechen.

Intervention bei sexuellem Missbrauch

Ziele der Interventionen nach der Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs sind die Beendigung des Missbrauchs und die Einleitung adäquater Hilfen für das Kind.

Das fachliche Dilemma der Fachleute besteht darin, sowohl den Schutz des Kindes wie seiner familiären Bindungen gerecht zu werden. Alle Kinder wollen die Beendigung des sexuellen Missbrauchs, aber die meisten wollen keine Trennung von ihren Eltern und Geschwistern. Es kann daher keinen allgemein gültigen Königsweg geben, sondern nur fachlich qualifizierte und verantwortliche Einzelentscheidungen.

Unserem Selbstverständnis nach verfolgen wir das Ziel, im gesamten Hilfeprozess die Selbstbestimmung des Kindes zu berücksichtigen.

Die Berücksichtigung des Kinderschutzes bedeutet nicht in jedem Fall, dass ein Kind seine Familie verlassen muss. Kinderschutz kann auch bedeuten, dass das Kind in seiner Familie bleibt und mit der Mutter, einem anderen Familienmitglied oder dem betroffenen Kind selbst konkrete Verhaltensmaßnahmen zu seinem Schutz abgesprochen werden. – Der Schutz des Kindes bei sexuellem Missbrauch durch den Täter, die Täterin ist auch gewährleistet, wenn der Vater, die Mutter sich vom Partner trennt.

In manchen Fällen müssen allerdings Interventionen zum Schutz des Kindes oberste Priorität genießen und das Kind außerhalb seiner Familie untergebracht werden. In diesen Fällen halten wir es für unverzichtbar, dass das Jugendamt seine Wächterfunktion offensiv wahrnimmt und sich ggf. bei dem zuständigen Gericht für den Entzug der elterlichen Sorge einsetzt.

Kinderschutzinterventionen, die ausschließlich am betroffenen Kind oder am nichtmissbrauchendem Elternteil ansetzen, vernachlässigen einen zentralen Aspekt von Kinderschutz: viele Täter sind Mehrfachtäter, d.h., sie missbrauchen gleichzeitig oder im Verlauf ihrer "Täterkarriere" mehrere Kinder. Erfolgreiche Täterarbeit ist somit praktizierter Kinderschutz. Angesichts der Tatsache, dass viele Täter schon als Jugendliche beginnen, Kinder zu missbrauchen, ist die Entwicklung von weiteren Behandlungskonzepten für jugendliche Täter von herausragender Bedeutung für den Kinderschutz.

Die familienorientierte Arbeitsweise bedeutet nicht in jedem Fall, dass Familien unter allen Umständen zusammengehalten werden. Es bedeutet vielmehr, im Hilfeprozess anzuerkennen, dass auch für missbrauchte Kinder die Bindung an ihre Eltern und die Zugehörigkeit zum Familiensystem ein Grundbedürfnis darstellt. Es bedeutet unserem Selbstverständnis nach auf keinen Fall mit allen Familienmitgliedern in Familiensitzungen zu arbeiten.

Familienorientierung liegt auch vor:
  • wenn allen Familienmitgliedern nach der Aufdeckung eine Beratung durch unterschiedliche Fachkräfte angeboten wird,
  • wenn dem missbrauchten Kind im Hilfeprozess Raum gegeben wird, sich seiner extrem ambivalenten Gefühle gegenüber beiden Elternteilen zu vergegenwärtigen,
  • wenn eine Restfamilie erhalten bleibt, indem eine Mutter in der Beratung lernt, sich verantwortlich für ihr Kind zu verhalten,
  • wenn auch die Geschwister des sexuell missbrauchten Kindes im Hilfeprozess berücksichtigt werden.

Psychotherapie:

Einige Kinder und Jugendliche zeigen, dass sie sich eine Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichte wünschen, andere signalisieren eher den Wunsch nach Ruhe. Unserem Selbstverständnis nach hat die Selbstbestimmung für sexuell missbrauchte Kinder und Jugendliche eine hohe Bedeutung. Die Entscheidung für die Aufnahme einer Psychotherapie muss daher in enger Absprache mit den betroffenen Kindern, bzw. Jugendlichen erfolgen.

Der Schwerpunkt der Therapie mit "Überlebenden" sollte nach der Traumabewältigung auf den individuellen Ressourcen, Fähigkeiten und Stärken des Kindes und auf dem Aufbau einer eigenen positiven Lebensperspektive liegen. Die Haltung der Therapeuten ist wichtig. Achtsamkeit und Respekt helfen die Würde des Kindes wiederherzustellen.

Strafrechtliche Maßnahmen:

Die Jugendhilfe orientiert sich seit dem novellierten KJHG an hilfe- statt sanktionsorientierten Arbeitsprinzipien. Die Elternrechte haben eine Stärkung erfahren. Unserem Verständnis nach ist diese Tendenz in Fällen von Kindesmisshandlung und sexuellem Missbrauch kritisch zu sehen. In der Diskussion um die sexuelle Gewalt von Kindern darf auch innerhalb der Jugendhilfe nicht vernachlässigt werden, dass der sexuelle Missbrauch ein Straftatbestand ist. – Mädchen und Jungen, die sexuelle Gewalt erfahren haben, sind auch in Bezug auf eine Strafanzeige ausführlich zu beraten und ggf. zu unterstützen.

Für das Opfer kann die Bestrafung des Täters von großer Bedeutung sein, zum einen im Sinne eines gerechten Ausgleichs für die erlittene Not, zum anderen als Demonstration der Solidarität der Gesellschaft mit dem Opfer, zum dritten als eigener aktiver Schritt, um einen weiteren Kindesmissbrauch durch den Täter zu verhindern.

Selbstverständlich sollte das komplexe Thema sexueller Missbrauch nicht auf seine juristischen Aspekte verkürzt werden. Die Opfer, die sich für eine Anzeige entscheiden, benötigen die vergleichbaren sozialpädagogischen und ggf. psychotherapeutischen Hilfen, wie Kinder, die sich, häufig ebenfalls aus guten Gründen, gegen eine Strafanzeige entscheiden.

Fachliche Standards:

Hilfen für missbrauchte Kinder und Jugendliche erfolgen häufig in Zusammenarbeit mehrerer Fachkräfte und Institutionen. – Die Qualität der Hilfe wird entscheidend beeinflusst von Faktoren, die bei den beteiligten Helferinnen und Helfern sowie dem Hilfeprozess wirksam werden.

Die Interventionskompetenz der Helferin / des Helfers basiert auf den:
  • persönlichen Voraussetzungen (Zeit und Ruhe, Mut, Engagement für Kinder)
  • fachlichen Voraussetzungen (Ausbildung, Erfahrung, Unterstützung durch Leitung, Fallsupervision).
Das Helfersystem funktioniert:
  • bei ausgebauten Kooperationsbeziehungen der verschiedenen Institutionen auf fallübergreifender Leitungsebene
  • bei eingespielten Kooperationsbeziehungen der verschiedenen Helfer/innen im Einzelfall.
Der Verdienst der Berufsgruppe Brennessel besteht in dem Aufbau und der Pflege institutionsübergreifender Kooperationsbeziehungen, um eine Optimierung der Hilfen für sexuell missbrauchte Mädchen und Jungen zu erreichen.

Auf den folgenden Seiten wird die Qualifizierung der Mitglieder in der Einzelarbeit in Thesen zusammengefasst.

Thesen zur Qualifizierung der Mitglieder in der Einzelfallarbeit:

Die Einbeziehung des nicht missbrauchenden Elternteils im Verdachtsstadium erfolgt nur, wenn die Beziehung Elternteil/Kind und Elternteil/Beraterin tragfähig sind, und wenn sie über ein partielles Problembewusstsein zum sexuellen Missbrauch verfügen.

Eine gewissenhafte Abklärung der vorhandenen Symptome ist im Interesse aller notwendig, da psychische und psychosomatische Auffälligkeiten ihre Ursache in einem sexuellen Missbrauch haben können, aber nicht müssen.

Sexueller Missbrauch lässt sich bei dem Vorliegen eindeutiger körperlicher Symptome eher beweisen.

Die Glaubwürdigkeit von kindlichen Berichten über sexuellen Missbrauch ist hoch, dennoch bedürfen alle Aussagen einer Konkretisierung hinsichtlich Tat und Täter.

Verzerrte und unklare Berichte von Kindern über den sexuellen Missbrauch können Folge der Traumatisierung sein, unwahre Schilderungen sind selten (z.B. Hervorgerufen durch Suggestion eines Elternteils in Zusammenhang mit der Regelung der elterlichen Sorge).

Die Aussagen von Kindern zum sexuellen Missbrauch sind häufig nicht strukturiert und von Unsicherheit und Ängsten geprägt.

Aufdeckungsarbeit ist ein kürzerer oder längerer zeitlicher Prozess mit dem Ziel, gesicherte Erkenntnis über den sexuellen Missbrauch zu sammeln: vage Andeutungen und Informationen vom Kind müssen durch Faktenergänzt werden.

Das Ende des Aufdeckungsprozesses ist erreicht, wenn kommunizierbare Fakten durch das Kind vorliegen. Aufdeckung ist auch dann abgeschlossen, wenn körperliche Schäden des sexuellen Missbrauchs medizinisch nachweisbar sind.

Aufdeckungsarbeit bei Kleinkindern ist meistens nicht möglich, bei einem "erhärteten" Verdacht beschränkt sich unsere Arbeit eher auf Schutzmaßnahmen für das Kind.

Aufdeckungsgespräche mit dem Kind erfordern von der Beraterin hohe Sensibilität und Empathie, aber auch die Fähigkeit, klare, nüchterne Fragen zu stellen und Fakten zu sammeln.

Ziele der Aufdeckung sind die Beendigung des sexuellen Missbrauchs und die adäquaten Hilfen für das Kind.

Weitere Ziele sind einerseits die Berücksichtigung der Selbstbestimmung des Kindes (je nach Alter) im Hilfeprozess. Andererseits ist uns wichtig, dem Kind in der Zugehörigkeit zu seinem Familiensystem gerecht zu werden.

Manchmal sind Schutzmaßnahmen zum Wohl des Kindes zwingend notwendig, gegebenenfalls muss ein Antrag auf Entzug der elterlichen Sorge beim Amtsgericht gestellt werden.

Der Schutz der Geschwister bei innerfamiliärem sexuellen Missbrauch wird von uns angestrebt.

Kinder, die eine Anzeige erstatten wollen, finden Unterstützung.

Der mutmaßliche Täter wird nicht in die Diagnostik einbezogen, die Arbeit mit ihm setzt im Rahmen der Konfrontation nach der Aufdeckung ein. Ziel ist die Beendigung der sexuellen Gewalt durch den Täter / die Täterin und die Übernahme der Verantwortung für die Tat.

Parteilichkeit für Kinder im Verdachtsstadium ist ein Kunstfehler! Erst in der Interventionsphase ist Parteilichkeit für Opfer unabdingbar.


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