Brennessel e.V.
Berufsgruppe gegen sexuelle Gewalt an Kindern
 

Öffentlichkeitsarbeit


Konzeption zur Öffentlichkeitsarbeit


Verbreitung, Enttabuisierung, Versachlichung des Themas in den Medien und bei Veranstaltungen

Die Berufsgruppe Brennessel e.V. engagiert sich seit 1986 in Celle für Kinder, die von sexueller Gewalt bedroht oder betroffen sind. Fachfrauen aus den unterschiedlichen Ämtern, Institutionen und Praxen sind miteinander vernetzt, um Kindern und Jugendlichen, aber auch Eltern, Nachbarn, Lehrern, Fachleuten und Interessierten Unterstützung und konkrete Hilfen zu geben.

Ziele der Öffentlichkeitsarbeit

Neben der Hilfe für jede/n Einzelne/n geht es den Mitgliedern des Vereins insbesondere um:

  • Aufklärung
  • die Beendigung der Ohnmacht
  • das Herausnehmen aus der Anonymität
  • das Herausnehmen aus der spektakulären Szene
  • das Herausheben aus dem voyeuristischen Blickwinkel
  • die Versachlichung des Themas
  • der Enttabuisierung der sexuellen Gewalt an Kindern
  • Handlungsfähigkeit aufbauen
  • Verbündete für Kinder finden
  • die Stärkung der Rolle der Helfer/innen
  • Kinder zu informieren und Wege der Hilfe aufzeigen.

Erwachsene aufzuklären heißt, dass sie über ein Grundwissen zur sexuellen Gewalt an Kindern verfügen und sie ihren Standort, ihren Ausgangspunkt bestimmen und überdenken. Sie müssen ihren eigenen Widerstand abbauen, Kindern zuhören und nachfragen. Und sie müssen bereit sein, über Sexualität zu reden. – Viele Erwachsene sind unseres Erachtens inzwischen gut informiert und die Gruppe derer, die Kindern konkret helfen wollen, ist größer geworden.

Die Aufklärung für Kinder wird mit dem Ziel verfolgt, dass sie

  • selbstbewusster werden
  • wissen, es geschieht Unrecht (Grenzüberschreitung)
  • erfahren, andere Kinder erleben ähnliches
  • eine Sprache finden für das, was ihnen passiert
  • Menschen kennen lernen, die ihnen zuhören und helfen

Für alle Professionellen in den unterschiedlichen pädagogischen Berufen geht es dem Verein im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit um den Ausbau der Kompetenzen, Stärkung ihrer Rolle als Helfer/innen auch an ihrem Arbeitsplatz und gegenüber den Vorgesetzten und Vernetzung mit anderen, die auch bereit sind, diese Verantwortung zu tragen.

Wege der Öffentlichkeitsarbeit

Die Berufsgruppe finanziert und begleitet eine Anlaufstelle, die "offene Sprechstunde", in der Kinder und Erwachsene Hilfe finden können. Diese Sprechstunde findet in einer Jugendhilfeeinheit statt, um Kindern einen niedrigschwelligen Zugang zu ermöglichen. – Für das Gesprächsangebot wird durch Plakate und Handzettel geworben, die Berater/in gehen zudem in die Schulen, um in Absprache mit der/m Klassenlehrer/in Unterrichtseinheiten zu gestalten. – Auch wurden Projekte in Schulen durchgeführt, z.B. "Mädchen zwischen Flirt und Anmache".

Selbstverteidigungskurse für Mädchen wurden von Brennessel organisiert und finanziell unterstützt, die Mädchen hatten nur einen geringen Eigenanteil zu bezahlen.

Darüber hinaus werden (überwiegend) Fachfrauen des Vereins zu offenen Gesprächskreisen und Vorträgen eingeladen (z.B. Elternabende in Kindergärten und Schulen), und sie bilden Erzieher/innen, Sozialpädagogen/innen, Lehrer/innen, Ärzt/innen etc. zum Thema "sexueller Kindesmissbrauch" fort. Im Rahmen dieser Fortbildungen geht es neben den gängigen Themen zur sexuellen Gewalt an Kindern auch um Sexualerziehung, Prävention, um das Erkennen der Stärken der Betroffenen und um adäquate Hilfen – auch im rechtlichen Zusammenhang, wie z.B. der Erstattung einer Anzeige.

Der Verein ist vertreten im Frauenforum oder Teilnehmer an Gesprächskreisen, z.Z. zum Beispiel zu Fragen der seelischen Behinderung gemäß § 35 a KJHG. Auch im Mädchenarbeitskreis werden die Interessen und Anliegen des Vereins deutlich gemacht.

Die Fachfrauen der Brennessel haben vor einigen Jahren einen Jungenarbeitskreis initiiert, da die Jungensozialisation und die Folgen des sexuellen Missbrauchs für Jungen kompetenten Fachmännern überlassen werden sollte. Dieser Jungenarbeitskreis hat sich inzwischen in Celle etabliert und einen guten Namen gemacht.

Über einige Jahre wurden offene Gesprächsabende zu bestimmten Themen angeboten und begleitet, die sogenannten "Dienstagsgespräche". Über Aushang und Presse wurden diese Abende angekündigt, insbesondere Mütter (z.T. mit eigenen Gewalterfahrungen) von Kindern, die sexuellen Missbrauch erlebt hatten, nutzten diese Gesprächsrunden.

Selbsthilfegruppen wurden seitens des Vereins initiiert, z.T. finanziell unterstützt und auf Wunsch punktuell begleitet. Auch kamen Frauen zu uns, die dann an diese Gruppen vermittelt werden konnten.

Der Verein hat eigene Broschüren für Kinder, Jugendliche und Erwachsene herausgebracht und diese kostenlos Kindergärten, Schulen, Bücherei, Arztpraxen, Behörden, Institutionen und Beratungsstellen zur Verfügung gestellt.

 

Brennessel e.V. besitzt umfangreiche Fachliteratur zur sexuellen Gewalt an Kindern. Diese "Bücherei" kann von allen Interessierten kostenlos genutzt werden und verfügt über Lektüre zur:

  • sexuellen Gewalt an Kindern
  • Therapie und Diagnostik
  • autobiografischer Lektüre
  • präventiven Arbeit auch mit didaktischem Spiel- und Lernmaterial
  • Aufklärung
  • präventiven Arbeit (Kinder- und Jugendbücher).
Autobiografische Romane wie auch einige Spiele für Jugendliche (z.B. TABU) können kostenlos ausgeliehen werden.

Jährlich werden vom Verein größere öffentliche Veranstaltungen organisiert , z.B. Theateraufführungen für Kinder, Autorenlesungen oder Fachvorträge. – Derzeit (Stand 10/2000) befindet sich die Durchführung eines Symposiums in Planung, Thema: Thematisieren statt Tabuisieren – Agieren statt Reagieren.

Der Kontakt zur örtlichen Presse ist gut, der Ansprechpartner bei der größten Celleschen Zeitung ist gut informiert und offen für Gespräche, Hinweise und Scriptvorlagen.

Eine Pressemappe, die zusammengestellt wird, enthält einzelne Konzeptionsbausteine, Broschüren und Artikel aus der hiesigen Presse zur Arbeit des Vereins. Diese Mappe wird zu Werbezwecken genutzt, um Interessierte und Sponsoren für die finanzielle Unterstützung zu gewinnen.

Die Berufsgruppe Brennessel finanziert sich über Spenden, Mitgliedsbeiträge, Bußgelder und seit Januar 2000 durch Fördermitgliedschaften.

Die Arbeit der Berufsgruppe Brennessel findet in Celle Wertschätzung. Anlässlich des 10 - jährigen Vereinsbestehens im Herbst 1999 haben die Sozialdezernentin der Stadt und der Leiter des Jugendamtes des Landkreises Celle im Rahmen der Feierstunde viele anerkennende Worte für die Arbeit gefunden und ausdrücklich den Fachfrauen für ihr Engagement und ihre Kompetenz gedankt.

 



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