Brennessel e.V.
Berufsgruppe gegen sexuelle Gewalt an Kindern
 

Jahresbericht 2012

Arbeitsschwerpunkte

  • Die offene Sprechstunde des Vereins im Jugendhilfeprojekt „Alte Molkerei“ in der Blumlage 64 in Celle, die seit 1999 kontinuierlich angebotenen wird, findet weiterhin dienstags (nicht in den Ferien) in der Zeit von 17.00 bis 19.00 Uhr statt. Ein Sozialarbeiter und eine Sozialarbeiterin sind im Wechsel  telefonisch wie persönlich Ansprechpartner/-in. Kinder besuchen diese Anlaufstelle selten, es kommen eher Angehörige, Institutionen (Schulen, Kindergärten, Einrichtungen) und Interessierte, um sich beraten zu lassen.
  • Frau Adolph, Frau Oswald, Frau Pahls-Korzonnek und Frau Werner gaben insgesamt 6 Elternabende in Kindergärten in Stadt und Landkreis (LK) zu den Themen: „Sexualentwicklung von Kindern“ und „Sexuelle Übergriffe unter Kindern“.
  • Anlassbezogen erfolgten durch Frau Werner in zwei weiteren Kindertagesstätten (1 Stadt und 1 LK) Mitarbeiterfortbildungen zum Thema „Sexuelle Übergriffe unter Kindern“. Ziel dieser Schulung war die Kompetenzerweiterung der Fachkräfte in den Einrichtungen, um Reaktionen wie Ohnmacht, übereiltes Handeln oder gar Wegsehen der Vergangenheit angehören zu lassen.
  • Frau Pahls-Korzonnek, Frau Oswald und Frau Werner wurden im Laufe des Jahres wiederholt (insgesamt 9 x) zu Beratungsgesprächen in verschiedene Kindertagesstätten zu Einzelfällen bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch gebeten. Das Verhalten der Kinder und die Mutmaßungen der Erzieherinnen wurden ausführlich diskutiert und weitere Schritte besprochen. – Auch Fallbesprechungen (insgesamt 8 x) mit Lehrkräften unterschiedlicher Schulen erfolgten. In einer Schule gab es daraufhin für die 1. Klasse ein Selbststärkungstraining für die Kinder. Dieses Training wurde von Matthias Rehli durchgeführt.
    Für uns als Beraterinnen ergaben sich hier Überschneidungen mit den Berufsfeldern in den Jugendämtern und der Erziehungsberatungsstelle.
  • Fortbildungsveranstaltungen des Vereins Brennessel e.V. zur sexuellen Gewalt an Kindern, mögliche Formen der Unterstützung und Prävention vor sexueller Gewalt wurden von verschiedenen Institutionen und Trägern in Anspruch genommen. So war Frau Oswald bei den Damen des Rotary-Club-Celle-Schloss zu Gast, Frau Werner referierte bei KESS (innovative Familienbildungseinrichtung für Kinder, Eltern, Singles und Senioren) in Nienhagen. Auch TUS Hermannsburg (unterstützt von Frau Werner) und die DLRG Übungsleiter (begleitet durch Frau Pahls-Korzonnek) beschäftigten sich mit dem schwierigen Thema.
  • Frau Oswald trug zur Qualifizierung zur Kindertagespflegeperson im Rahmen der ländlichen Erwachsenenbildung in Niedersachsen bei. Zum Thema “Prävention vor sexueller Gewalt“ mussten sich zukünftige Tagesmütter mit diesem Bereich auseinander setzen.

    Gäste waren Frau Pahls-Korzonnek in einem Gottesdienst der Gemeinde Wienhausen und Frau Oswald im Rahmen des Passions-Gottesdienstes „Wunde Punkte“ im Jugendhilfeprojekt „Alte Molkerei“. Beide stellten die Aufgaben und Ziele des Vereins Brennessel e.V. dar. – Die Kollekte kam jeweils dem Verein zu Gute.
  • Im Rahmen der regelmäßigen Arbeitstreffen haben die aktiven Mitglieder des Vereins Fallbesprechungen durchgeführt. Diese Reflexion ist auch für Fachkräfte wichtig und notwendig, gilt es doch, für betroffene Kinder und ihre Angehörigen einen guten Weg für die Zukunft  zu finden.

    Gemeinsam gestalteten wir das Programm des Vereins für das Jahr 2012, Aufgaben wurden verteilt und Ideen für weitere Planungen konkretisiert. – Als besondere Aufgabe wurde eine Fortbildung für Erzieherinnen, Tagesmütter und Tagesväter für den 13.11.2012 unter dem Thema „Prävention als Chance“ konzipiert. Neben Frau Werner, Psychologin der Erziehungsberatungsstelle des Landkreises Celle mit dem Thema „Entwicklung von Kindern … und dann ist da noch das „Sexuelle“, konnte Frau Sonja Blattmann und Partnerin als Referentin mit dem Vortrag „Ich bin doch keine Zuckermaus!“ – Mädchen und Jungen im pädagogischen Alltag stärken – für unsere Veranstaltung gewonnen werden. Für den Nachmittag wurden Workshops geplant, um die Theorie in die Praxis umzusetzen. – Räumlichkeiten für die Veranstaltung mit der verbundenen Technik wurden gefunden, der Flyer für die Veranstaltung entworfen, gedruckt und verschickt, die Hotelunterbringung der Referentinnen gebucht, Catering bestellt und der Büchertisch organisiert.

    Leider lagen trotz frühzeitiger Informationen 4 Wochen vor der Veranstaltung erst 11 Anmeldungen vor, so dass der Fortbildungstag abgesagt werden musste, um nicht die hohen Folgekosten für die Referentinnen tragen zu müssen.

    Die geringe Resonanz der Erzieherinnen aus den Kindertagesstätten in Stadt und Landkreis Celle wie der Tagespflegepersonen aus dem gleichen Einzugsgebiet ist für uns kaum nachvollziehbar. Unserer Meinung nach hätten die Kitas und Tagespflegepersonen vom dem Angebot sehr profitieren können.
  • Im Rahmen eines eigenen Fortbildungsnachmittags hat Herr Rehli im Oktober seine Präventionsarbeit sowie das Programm von Sonja Blattmann, Präventionsfachkraft und Leiterin des MuT – Zentrums (Musik und Theater für kleine und große Menschen) vorgestellt. Bereichert wurden diese Stunden zudem durch die Schilderungen einzelner Mitglieder von Brennessel von ihrer Arbeit
  • Frauen des Vereins arbeiteten auch in diesem Jahr aktiv im Mädchenarbeitskreis von Stadt und Landkreis Celle und im Frauenforum mit. Sie ermöglichen damit auf breiterer Ebene eine Auseinandersetzung mit dem Thema der sexuellen Gewalt an Kindern.
  • Vereinsintern wurden einzelne Flyer überarbeitet und gedruckt.

    Zur zeitgemäßen Präsentation des Vereins in der Öffentlichkeit, zuletzt im Rahmen des Aktionstages gegen häusliche Gewalt, hat Frau Oswald Entwürfe für drei Roll-Up Banner gestaltet, die dann von einer Werbeagentur fertig gestellt wurden.
  • Brennessel e.V. konnte sich durch neue Mitglieder weiter vernetzen. So gehören dem Verein pädagogische Fachkräfte aus der Erziehungsberatungsstelle, der Jugendämter Stadt und Landkreis Celle, des Kinderschutzbundes, der Stiftung Linerhaus, des Verbundes Therapeutischer Einrichtungen, des Celler Evangelischen Kinderheimes, des Sprach-heilkindergartens „Spunk“, das Haus der Familie und das Onkologische Forum an. Auch eine Rechtsanwältin ist Mitglied und unterstützt bei Bedarf. – Neben diesen Fachleuten unterstützen Förderer die Arbeit unseres Vereins.

Unterstützung von Projekten

  • Herr Matthias Rehli war in Stadt und Landkreis an unterschiedlichen Schulen als Selbstbehauptungstrainer für Brennessel e.V. unterwegs. Unter dem Motto „Stärken stärken!“ gab er Kindern Anleitung zum sicheren Auftreten in Bezug auf Körperhaltung, Mimik und Gestik, dem bewussten Einsetzen der Stimme und das Erlernen „NEIN“ zu sagen. Auch Techniken zur eigenen deutlichen Grenzsetzung werden erlernt und geübt wie auch das Verhalten in bedrohlichen Situationen. Alles wird dem Alter der Kinder angemessen spielerisch angeboten mit dem Ziel, den Handlungsspielraum der Kinder zu erweitern und persönliche Stärken zu kennen und zu nutzen. – Diese Kurse (insgesamt 11) dauerten jeweils 10 Stunden (z.B. 2 Tage a  5 Stunden an den Wochenenden) und wurden von Brennessel als Präventionsprogramme finanziert.

 

Theaterprojekte 2012

  • Das Theaterstück „Lilly und Leo“ von der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück ist dieses Jahr in Kooperation der Grundschule Wietzenbruch und der Paul – Klee - Schule in Celle veranstaltet worden. Beide Schulen haben sich an den Kosten beteiligt. – In diesen Theaterprojekten geht es insbesondere um die Stärkung der Kinder, den Ausbau ihres Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung und die Autonomie von Mädchen und Jungen.

 

Zusätzliche Öffentlichkeitsarbeit

 

  • Als besondere Tätigkeit haben wir dem Lions Club Celle in der Adventszeit beim Waffelbacken unterstützt, der auch in diesem Jahr (wie schon 2010 und 2011) mit einem Stand in der Fußgängerzone über Brennessel e.V. informiert hat. Die Einnahmen werden 2013 wieder für unseren Verein gespendet.

 

  • In Kooperation mit dem Celler Badeland sind vor Ort Plakate von Brennessel aufgehängt worden, um Kinder auf sexuellen Missbrauch hinzuweisen und ihnen konkret Unterstützung anzubieten. Gleichzeitig verfolgen wir aber auch das Ziel, für mögliche Täter ein Signal zu setzen: hier ist sexuelle Gewalt an Kindern ein Thema, hier sind wir offen für Kinder, die von sexuellem Missbrauch berichten. Wir haben die Hoffnung, dass Täter von ihrem Vorhaben, sexuell gegenüber Kindern übergriffig zu werden, ablassen.

 

Spenden

  • Frau Pahls-Korzonnek und Frau Oswald wurden zum Grillfest der britischen Freimaurerloge eingeladen. – Ihnen wurde – wie in den vergangenen Jahren auch – ein großherziger Scheck für die Präventionsarbeit überreicht.
    Die britische Freimaurerloge ist ein verlässlicher Partner unseres Vereins und wir danken ihnen für das hohe Engagement.

 

  • Das Wohnungsunternehmen „Wichmann – Gruppe“ aus Celle hat anlässlich seines 75 – jährigen Bestehens 2011 die kooperierenden Firmen statt Geschenke um Spenden u.a. für Brennessel gebeten. Anfang 2012 konnte Herr Wichmann dem Verein eine großzügige Spende überreichen.

 

  • Die Firma Pieper aus Celle, Fliesen- und Natursteinverlegung, hat auf die Weihnachtsgratifikationen ihrer Kunden verzichtet und stattdessen unserem Verein einen großmütigen Scheck übergeben.
  • 2012 haben wir wiederholt kleine und größere Spenden erhalten, u.a. von dem Lions Club Celle und den Stadtwerken aus Celle. Auch „Die warmen Brüder“, einer Saunagruppe, gehörten wieder zu unseren Geldgebern. Auch anlässlich einer Hochzeit und der Taufe eines Kindes wurde für Brennessel gespendet.

Wir danken allen Spendern für ihr Engagement für Brennessel. Sie alle können sicher sein, dass die Gelder im Sinne des Vereins und nach den Auflagen der Gemeinnützigkeit verwandt und ausgegeben werden.

Ausblick auf 2013

  • Wir werden der Grundschule und der körperbehinderten Schule in Bergen für 2013 das Theaterprojekt „Lilly und Leo“, ggf. auch Sozialtrainings / Präventionsprogramme anbieten.

 

  • Eine große Fortbildungsveranstaltung wird nach den Erfahrungen im letzten Jahr für 2013 nicht konzipiert. Wir stehen im Kontakt mit einer großen Kindertagesstätte in der Stadt und einem kirchlichen Kindergarten im Landkreis und initiieren dort jeweils ein Präventionsprojekt mit drei Teilen. Im ersten Teil wird das Fachpersonal der Kita über 4 Stunden zur Vorbeugung vor sexueller Gewalt geschult unter Einbeziehung der Selbstreflexion, Arbeit mit Kindern und Arbeit mit Eltern. Am selben Tag gibt es einen Elternabend in der Einrichtung zum Thema: „Stärkung der Kinder“. Am darauf folgenden Morgen dürfen alle Kinder dem Theaterstück: „Ich bin doch keine Zuckermaus“ beiwohnen. – Mit diesem Projekt werden Erzieherinnen, Eltern und Kinder mit den gleichen Inhalten auf unterschiedlichen intellektuellen Ebenen erreicht, es gibt eine Ebene der Verständigung.
  • Überlegt wird ein weiteres Projekt, das sich an jugendliche, ggf. heranwachsende Täter richtet, die sexuelle Gewalt ausgeübt haben. Aus unserer Sicht ist es die beste Prävention, wenn mit Tätern konkret über ca. 9 Monate kontinuierlich an ihrem Verhalten und der Änderung gearbeitet wird. Damit besteht zumindest die Möglichkeit, dass sie nicht rückfällig werden. In Folge ist dies der beste Schutz für Kinder.

Was sich sonst noch ereignet hat …

Am 4. Februar 2012 verstarb unser langjähriges aktives Mitglied Astrid Weller. Mit ihrer vorbildlichen Haltung und ihrem sympathischen Wesen hat sie unsere oft schwere Arbeit bereichert. Sie wurde nur 58 Jahre alt; ihr Tod hat uns sehr berührt. – Statt Blumen und Kränzen haben die Hinterbliebenen u.a. auch Spenden für Brennessel erbeten.


Der Vorstand

Irina Adolph              Christa Pahls-Korzonnek                Sabine Oswald


Erstellt: Sabine Oswald

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